(un)sichtbare Klasse!?! 2.0 – Vortragsreihe

Klassismus ist in der öffentlichen Debatte angekommen. Warum wird es gerade wieder möglich, über Klasse zu sprechen? Wer spricht wie über Klasse und Klassismus und warum? Welche klassistischen Strukturen werden in Zeiten von Pandemie und BAföG-Jubiläum (un)sichtbar – und wie können wir dagegen vorgehen? Diese Vortragsreihe des Autonomen Referats für antiklassistisches Empowerment an der Uni Köln sucht nach Antworten.

Den ersten Teil der Vortragsreihe könnt ihr hier zu Teilen anhören.

26. Oktober 2021: Eine Einführung in Klassismus 2.0. Was er ist – und was er nicht ist (Andreas Kemper)
Der Begriff „Klassismus“ ist älter als die ersten Publikationen von Marx und Engels. Dennoch wird der Begriff unzulässig als neumodische Version der sogenannten „Identitätspolitik“ bezeichnet. Im Schulterschluss mit SPIEGEL-, ZEIT- und FAZ-Journalist*innen behaupten einige Marxist*innen, es ginge beim Anti-Klassismus nur darum respektvoll mit Arbeiter*innen umzugehen, ohne Vermögens- und Ausbeutungsverhältnisse zu kritisieren. Der Philosoph Slavoj Žižek behauptet gar, dem Anti-Klassismus ginge es um die Zementierung der Klassengesellschaft und biete somit eine „faschistische“ Lösung für gesellschaftliche Probleme.
In diesem Vortrag werden die Missverständnisse und Zerrbilder einer materialistischen Kritik unterzogen.
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9. November 2021: Bildungsfabrik Uni – Wie die Hochschule uns formt (Kevin Kunze)
Unsere Gesellschaft benachteiligt Menschen mit niedrigem sozio-ökonomischen Status. Ganz besonders zeigt sich das im Bildungssystem – die, deren Eltern nicht studiert haben, fallen schnell durchs Raster. Doch gerade das Bildungssystem sollte dafür sorgen, dass soziale Ungleichheiten abgebaut werden und es sollte Menschen ermöglichen, an der Gestaltung der Gesellschaft teilzunehmen. Stattdessen sorgen die Institutionen dafür, dass Schüler*innen und Student*innen systematisch geformt und an eine vermeintliche Normalität angepasst werden.
Der Input dreht sich um gesellschaftliche Konformitäten, die Frage, wie Ausschlüsse entstehen und durch welche Mechanismen das Bildungssystem Normalitäten herstellt und uns alle daran anzupassen versucht.

23. November 2021: Klasse als wandelnder Zombie? Konjunkturen des Klassenbegriffs in der Wissenschaft (Carina Altreiter)
Der Vortrag skizziert Konjunkturen des Klassenbegriffs in den deutschsprachigen Sozialwissenschaften im Kontext gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und damit verbundene Implikationen. Die seit Jahrzehnten anhaltende Marginalisierung (und Tabuisierung) des Klassenbegriffs verweist auf Kämpfe über legitime Deutungen sozialer Wirklichkeit, die darüber entscheiden, welche Ungleichheiten in einer Gesellschaft wahrgenommen werden (können).

7. Dezember 2021: Klassismus und die Coronapandemie (tba.)

Ankündigungstext folgt


21. Dezember 2021: Class matters. Sorgearbeit und Klassismus (Francis Seeck)

Eine bislang weitgehend ignorierte Diskriminierungsform prägt unsere Gesellschaft fundamental: Klassismus. Diskriminierung aufgrund von Klassenherkunft und Klassenposition wirkt schon vor der Geburt und bis über den Tod hinaus. Auch der Zugang zu Sorgearbeit und ihre gesellschaftliche Verteilung ist von Klassismus geprägt. In dem Vortrag zeigt Francis Seeck ausgehend von der Studie „Care trans_formieren. Eine ethnographische Studie zu trans und nicht-binärer Sorgearbeit“ (Transcript, 2021) wie Sorgearbeit, Klassismus, Sexismus und Heteronormativität miteinander verwoben sind.
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11. Januar 2022: Arbeitslosendiskriminierung (Anna Mayr)

Ankündigungstext folgt


25. Januar 2022: Das Stigma der Depression in der Klassengesellschaft (Georg Blokus)

Sind wir selbst schuld an unserem psychischen Leid oder ist es ein Symptom der Ungerechtigkeiten und Kämpfe der Klassengesellschaft? Und woran werden wir eigentlich leiden, wenn der Kapitalismus endlich vorbei ist? Georg Blokus gibt in diesem Vortrag einen Einblick in Studien und Analysen zum verworrenen Zusammenhang von Depression, Burnout und Klasse. Es werden unterschiedliche Krankheitsmodelle und Anti-Stigma-Ansätze vorgestellt und kritisch diskutiert, um zu verstehen, wem Psychodiagnosen, Psychotherapien und Psychopharmaka unter welchen Bedingungen helfen, oder nicht. Der Vortrag wird Raum für Austausch und Reflexion geben, um gemeinsam in die Tiefen der zeitgenössischen Psyche in der Klassengesellschaft einzutauchen, emanzipatorische ‚gesellschaftstherapeutische’ Strategien des Mental Health Organizing und des Consciousness Raising kennenzulernen und eine andere Sprache für den weiterverbreiteten Weltschmerz zu suchen.
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12.-13. März 2022: Empowermentworkshop (Tanja Abou)

Ankündigungstext folgt

Alle Vorträge finden um 18 Uhr via Zoom statt und werden in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. Sie werden durch den Diversity-Projekt-Fond der Universität zu Köln gefördert.